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Gerald Hüther war da!

Fast 1200 Personen konnten Gerald Hüther gestern Abend, am 2.4.2012, live in Berlin erleben und ziemlich viele mehr hätten gerne noch einen Platz in der Urania bekommen, mussten aber wieder gehen. Der große Andrang kam nicht von ungefähr: In seiner ruhigen, selbstbewussten und sympathischen Art nahm Prof. Hüther das Publikum 90 Minuten lang mit in die Welt der Neurobiologie und des Lernens.

Auf nachvollziehbare und unterhaltsame Weise machte er deutlich, wie das Verständnis vom menschlichen Gehirn sich in den letzten hundert Jahren verändert hat: Ging man zunächst davon aus, dass es wie eine Maschine im Laufe des Lebens verschleißen würde, entwickelte man später die Vorstellung, durch verstärktes Nutzen des Gehirns würde es wachsen und stellte erst in der neueren Zeit fest, dass zum Lernen immer auch möglichst viel Motivation gehört. Daher braucht es nach Hüther eine Kultur gegenseitiger Begeisterung.

Die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für Lernen werden jedoch nicht erst im gesellschaftlichen Zusammenleben gelegt, sondern schon viel früher. Sie sind zwar nicht genetisch bedingt, entstehen aber bereits vor der Geburt. Das Gehirn eines ungeborenen Kindes strukturiert sich anhand dessen körperlichen Gegebenheiten und Eindrücken. So wächst es mit dem Kind und verarbeitet Erfahrungen und Gefühle, die es über die Mutter vermittelt bekommt. Hier entsteht eine Balance zwischen Nähe und Wachstum, die der Mensch ein Leben lang braucht. In einer individualisierten Gemeinschaft, in der viele unterschiedliche Menschen gemeinsam etwas tun und gestalten, funktioniert Lernen daher am besten. Ein System des Bestrafens und Belohnens ist nicht so wirksam wie eines, das zu Haltungsänderungen führt. Da Haltung auf Erfahrungen beruht, die aus kognitiven und emotionalen Ereignissen entstehen, braucht es für eine neue Haltung auch neue Erfahrungen. Hierfür wiederum ist es nötig, dass Menschen sich  gegenseitig einladen, ermutigen und inspirieren, neue Erfahrungen zu machen. Wir brauchen also andere Menschen, andere Gehirne, um die Potenziale unseres eigenen Gehirns zu entfalten.

An diesem letzten Punkt schloss sich für mich in dem Vortrag der Kreis zu dem, was Hüther am Anfang über eine „Kultur der gegenseitigen Begeisterung“ sagte.

Aus dem Publikum kam anschließend u.a. noch eine interessante Frage: Sollten wir nicht – angesichts der Tatsache, dass das Potenzial, viele verschiedene Dinge zu lernen, in uns allen von Anfang an angelegt ist- , statt Bildung (die von außen kommt und so etwas wie „Formen“ meint), eher den Begriff des Entfaltens verwenden?

Mit vielen inspirierenden Denkanstößen verließen also 1200 Menschen den Vortrag und es schien, als sei eine Haltungsänderung zum Greifen nah.

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Klassenkonferenz

Klassenkonferenz – eine ganz neue Erfahrung. Als Elternvertreterin in der Klasse meines Sohnes (7. Klasse, Sekundarschule) hatte ich neulich die Aufgabe, an einer Klassenkonferenz teilzunehmen. Mehrere Lehrkräfte, die Schulleiterin, zwei Elternvertreter, Klassensprecherin und Klassensprecher versammeln sich um einen großen Tisch und besprechen zwei „Fälle“: Junge A und Junge B haben problematisches Verhalten an den Tag gelegt (massive Störungen im Unterricht, Schlägereien etc.) und nun muss über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Junge A ist mit seiner Mutter da, hört sich schüchtern die Anschuldigungen an und versucht immer mal wieder, sich zu rechtfertigen. Die Mutter sagt : „Niemand schlägt jemanden ohne Grund.“ und: „Meine drei Töchter sind auf dem Gymnasium, den Jungen kriegen wir auch noch hin.“ Da kann ich mir vorstellen, in welchem Zwiespalt er ist. Es wird entschieden, dass er an einem Anti-Agressionstraining teilnimmt und nachmittags einen Mannschaftssport macht.

Junge B und seine Mutter sind gar nicht erst gekommen. Die Mutter hat gemeldet, dass sie krank sei und ihr Sohn sich um die kleine Schwester kümmern müsse. Er ist als ADHS-ler diagnostiziert und hat in letzter Zeit keine Lust mehr, das Ritalin zu nehmen – was ihn mir irgendwie sympathisch macht. Aber ohne das ist er für die Klasse und die Lehrkräfte eine Überforderung. Beschluss der Klassenkonferenz: Die Mutter wird nochmal aufgefordert, für ihren Sohn eine Therapiemöglichkeit zu suchen.

Mal sehen, wie es mit den beiden weitergeht…

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Umfrage: Wie war Schule?

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Schule ist gescheitert. Oder?!

Hurra und Hallelujah! Ein neuer Blog bereichert ab heute die Welt! In diesem Blog geht es um die faszinierenden Themen Bildung, Lernen, Entwicklung, Schule und alles, was damit zusammenhängt. Vielleicht werden jetzt einige von Euch höflich ein Gähnen unterdrücken und sich fragen „Was soll daran denn so faszinierend sein?“ Ich sage Euch, was daran faszinierend und gleichzeitig wirklich tragisch ist:

Millionen von Kindern und Jugendlichen gehen jeden Tag zur Schule, aber kaum jemand geht da gerne hin. Tausende von Lehrern und Lehrerinnen gehen jeden Tag in die Schule, aber ziemlich vielen graut eigentlich davor. Eltern machen sich Sorgen wegen Schulnoten und Hausaufgaben. Arbeitgeber beklagen die angeblich schlecht vorbereiteten Auszubildenden. Politikerinnen fürchten die PISA-Ergebnisse. Die Schulzeit ist für viele von uns prägend und manche würden diese Zeit lieber vergessen. Das Unternehmen Schule ist meines Erachtens weitgehend gescheitert.

Aber: Vielleicht lässt sich da was machen?! Neue und wiederentdeckte reformpädagogische Ansätze und bildungstheoretische Erkenntnisse machen mir Hoffnung. Engagierte und mutige Eltern gründen neue Schulformen, Wissenschaftlerinnen und Sozialarbeiter beschreiten neue Wege und Lehrer und Schulleiterinnen bauen an menschen- und kinderfreundlichen Schulen.

Um diese Menschen und ihre faszinierenden Ideen soll es in diesem Blog gehen!

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